„Wie wollen wir Karriere machen?“ lautete dieses Jahr das Thema von #30u30, dem Wettbewerb um den PR-Professional 2019. Jeweils in Zweierteams waren 30 handverlesene Nachwuchskräfte aufgerufen, die Antwort auf eine Frage zu geben, die Personalverantwortliche (nicht nur) von Agenturen aktuell intensiv beschäftigt.

Wer zur 30u30-Crew gehört, hat bewiesen, dass sie und er Lust haben, beruflich Dinge zu bewegen. Als Jurymitglied habe ich deshalb dieses Mal noch genauer hingehört. Dass der Nachwuchs anders tickt, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit, aus erster Hand von Top-Leuten zu hören, was genau sie motiviert. Wann sie bereit sind, sich voll rein zu hängen, wie sie zu Führung stehen und was sie von New Work halten. Um es vorweg zu sagen: Die Beiträge zum Thema waren so unterschiedlich wie die Teilnehmer. Und dennoch habe ich ein paar gemeinsame Botschaften gehört, die sich gleichermaßen an Arbeitgeber auf Agentur- und Unternehmenseite richten:

Leadership sollte nicht hierarchisch festgeschrieben sein, sondern nach Sinnhaftigkeit fallweise übertragen werden.

Wenn Führungsverantwortung immer wieder wechselt, macht jeder das, was er oder sie am besten kann – und verliert so auch nicht den Kontakt zum operativen Geschäft. Ohnehhin ist moderne Karriere für junge Leute etwas, was nicht mehr einsam macht, sondern gemeinsam im Team stattfindet.

Karriere zu machen bleibt insgesamt attraktiv, weil man dann mehr bewegen kann. Ähnlich ist es mit Führungsverantwortung: Die Nachwuchskräfte wollen Führungsverantwortung übernehmen, damit sie Dinge besser machen können.

Sie wünschen sich, die guten Vorbilder zu sein, die sie selbst nicht hatten.

Sie wollen – anders als bisher selbst erlebt – Sinnhaftigkeit vermitteln, zu Entscheidungen stehen, vom Taktgeber zum Ermöglicher werden und Komplexität moderieren. Und sie wollen Feuer und Flamme sein, ohne auszubrennen.

Wer gute Leute gewinnen und binden möchte, sollte auf keinen Fall mit standardisierten Karrierepfaden daherkommen. Die Vorstellungen der Top-Leute sind viel zu individuell, als dass sie sich auf derart einfache Weise abbilden lassen. Damit Nachwuchskräfte bereit sind, sich mit all ihrer Energie einzubringen, muss ihr Arbeitgeber dafür sorgen, dass sie gerne zur Arbeit kommen. Mit einem hübschen Büro, frischem Obst und einer guten Kaffeemaschine ist es dabei nicht mehr getan. Es geht vielmehr um persönliche Freiräume, Flexibilität, tieferen Sinn, Spaß, Vertrauen – und nicht zuletzt auch um ausreichend Freizeit.

Damit Nachwuchskräfte auch langfristig Lust haben, gute Leistung zu erbringen, muss man sie angemessen entlohnen. Mal ist dabei persönliche Anerkennung das Mittel der Wahl, mal Geld, mal auch ein Sabbatical oder ähnliche Dinge – ganz persönlich auf Situation und Bedürfniss abgestimmt.

Aber selbst wer als Arbeitgeber all diese Dinge berücksichtigt, muss damit rechnen, dass gute Leute weiterziehen.

Angesichts der vielen Möglichkeiten, die das Leben bietet, wird langfristige Bindung zunehmend als unattraktiv angesehen. Vom vielfach beschriebenen Sicherheitsbedürfnis der Generation Y war bei der #30u30-Crew jedenfalls nichts zu hören.

Fazit

Das alles klingt nach einem hohen Anspruch, den viele Arbeitgeber heute nicht erfüllen können (oder wollen). Da die Jungen schon in wenigen Jahren die Mehrheit der Arbeitnehmer bilden, wird es allerdings Zeit, sich auf diese neue Situation einzustellen. Dinge werden sich ändern – ob es einem nun gefällt oder nicht. Die Diskussion über Sinn oder Unsinn dieser neuen Haltung ist deshalb müßig. Alte Denkmodelle und Verhaltensmuster werden einfach ausgedient haben. Und wenn ich mich umschaue, sind es zwar die Jungen, die energisch ein Umdenken fordern. Aber auch immer mehr ältere Arbeitnehmer wünschen sich eine andere Art des Arbeitens und Lebens.

Vielleicht handelt es sich am Ende doch um einen neuen Zeitgeist und gar nicht so sehr um eine Generationenfrage?

Wie auch immer: Die Tage der Arbeit als alles bestimmender Lebensinhalt scheinen gezählt.

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