Zuversicht auch in schwierigen Zeiten? Geht, habe ich gelernt.

Schwarz-weißes Bild aus den späten 1940er Jahren zeigt eine Familie mit drei Kindern vor einer Baracke
Schwarz-weißes Bild aus den späten 1940er Jahren zeigt eine Familie mit drei Kindern vor einer Baracke

Zuversicht auch in schwierigen Zeiten? Geht, habe ich gelernt.

Auf dem Beitragsbild siehst du meine Mutter (links) mit ihrer Familie vor der Baracke in Eckernförde: die Unterkunft, die der Familie nach dem Krieg blieb. Zuerst dachte ich: Zuversicht auch in schwierigen Zeiten – nicht mein Thema. Dann stupste ein Kommentar auf LinkedIn in mir etwas an: „Birgit, du hast doch bestimmt auch etwas beizutragen, wie man auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich bleiben kann.“ Ja, habe ich, wurde mir klar.

Dieser Artikel handelt davon, wie ich unter ungünstigen Vorbedingungen gelernt habe, auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben. Geholfen hat mir etwas, was ich erst wieder lernen musste: Kopf und Körper als Team zu nutzen und mein körperliches Erleben wahrzunehmen.

Was schwierige Zeiten in meiner Familie bedeuteten

Ich bin ein Flüchtlingskind. Meine Eltern sind als Kinder zum Ende des 2. Weltkrieges mit ihren Eltern auf die Flucht gegangen und wurden so unfreiwillig Teil historischer Ereignissen die später verfilmt wurden.

Meine Mutter wurde im Alter von neun Jahren Zeugin des größten Schiffsunglücks aller Zeiten, als sie auf einem Begleitschiff der Gustloff mit ihrer Mutter und ihren Brüdern im Januar 1945 Königsberg verließ. Mein Vater floh im Januar 1945 zusammen mit seiner Familie auf einem Planwagen bei bis zu minus 20 Grad aus dem verschneiten Hinterpommern. Eine ähnliche Situation wurde 2007 in dem Zweiteiler „die Flucht“ verfilmt.

Diese Erlebnisse haben nicht nur meine Eltern, sondern auch mich stark geprägt. Während mein Vater viel von der Flucht erzählte – wir fuhren die Fluchtroute sogar einmal nach – blieb meine Mutter stumm. Nicht einmal mithilfe einer Hypnotherapie gelang es ihr, sich zu erinnern. Zu schwer war wohl das, was sie bis zum Ende des Krieges erleben musste.


Wenn Bedrohung real wird – oder sich real anfühlt

Inzwischen ist bekannt, dass unbewältigte Traumata an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Wahrscheinlich deshalb hat das Schreckgespenst des Krieges in mir immer eine sehr reale Komponente gehabt. Ich konnte mir mein Leben lang immer vorstellen, jederzeit alles zu verlieren.

Als der Ukraine-Krieg begann, schwappte in vielen Menschen eine Angst hoch, die ich mir nur durch die Traumata des Zweiten Weltkrieges erklären kann. Verstärkt wahrscheinlich durch Erzählung über die Gefahr aus dem Osten, mit der alle groß geworden sind, die im Westen Deutschlands aufwuchsen.

Im Februar 2022 wurde die Gefahr eines Krieges für viele in meinem Umfeld auf einmal ganz real. Auch ich war total durch den Wind. Die grausamen Bilder, die uns in der Anfangsphase erreichten, fielen in mir auf fruchtbaren Boden. Leider war mir ein Satz aus einer Familienaufstellung besonders in Erinnerung geblieben: Krieg ist unvorstellbar kalt und gnadenlos, setzt alle Gesetze der Vernunft außer Kraft und kann Menschen dazu bringen, Dinge zu tun, die Tiere niemals tun würden (ich hatte erst geschrieben: „und Menschen zu Tieren machen“. Aber genau das stimmt ja nicht).


Kann man zuversichtlich bleiben ohne Urvertrauen?

Ich habe erlebt, dass das möglich ist. Auch wenn man sagt, dass Menschen, denen das Urvertrauen fehlt, schneller unter Zukunftsängsten leiden. Und das war bei mir wohl der Fall, da meine Eltern beide schwer traumatisiert waren und selbst wahrscheinlich wenig Urvertrauen hatten.

In unregelmäßigen Abständen hatte mich mein ganzes Leben ein diffuses Gefühl von Bedrohung und Aussichtslosigkeit heimgesucht, das ich meine apokalyptischen Reiter nenne. Zu meinem großen Glück dauerten diese Phasen nie länger als ein paar Stunden und gingen immer von alleine weg. Aber dann begann eben der Ukraine-Krieg und dieses Mal war es anders: Das Gefühl von Bedrohung begleitete mich Tag und Nacht und auch in meine Träume.

Tatsächlich war es meine Yogalehrerin, die mich aus dieser Situation befreite, indem sie mir in einer geführten Meditation half dem Gefühl auf die Spur zu kommen. Es war das Gefühl von Hilflosigkeit, dass der Beginn des Krieges in mir ausgelöst hatte. Auch wenn ich in dem Moment sehr weinen musste, war es eine unglaubliche Erleichterung für mich, dies konkret spüren und benennen zu können.

„Nur was da sein darf, kann sich verändern“

Diesen Satz hatte ich in meiner Focusing-Ausbildung immer wieder gehört. Ich hatte das einfach als abstrakte Information hingenommen. Nun aber wusste ich, was gemeint ist und wie wahr das vor allem ist.

Zu erkennen, dass es zum Leben dazu gehört, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, hat mir wirklich sehr geholfen. Mit Erkenntnis „Ich kann gerade nichts tun“ war der Druck und die Unruhe auf einen Schlag weg. Das klingt komisch, aber genau so war es für mich.


Reicht es, positiv in die Zukunft zu blicken?

Meine Antwort: Ein klares ‚Nein‘. Im Kölner Raum gibt es den Spruch „Es ist noch immer jut jejange“. Hochdeutsch: „Es ist noch immer gut gegangen“. Auf den ersten Blick dachte ich, dieser Satz meint einfach nur maximalen Optimismus.

Bei genauerem Hinschauen könnte er aber auch auf die Perspektive beschreiben, mit der man auf Ereignisse schaut. Er könnte ein Aufruf dazu sein, das halbvolle Glas zu sehen und nicht das halbleere. Ich habe gerade keinen Kölner zur Hand, denn ich befragen könnte. Aber positive Psychologie in allen Ehren – in richtig schweren Momenten finde ich das doch sehr viel verlangt.


Was ist hilfreicher: Hoffnung oder Vertrauen?

Für mich ist es eindeutig Vertrauen. Hoffnung zu haben, dass alles gut wird, ist eine passive Haltung, in der nichts möglich ist außer Beten, Wünsche ans Universum oder ähnliches.

Vertrauen aufzubauen, dass ich mit jeder Situation irgendwie umgehen kann – egal was kommt – überträgt mir dagegen eine aktive Rolle. Auch das ist anspruchsvoll, bedeutet es doch ein Höchstmaß an Flexibilität, mit Situationen umzugehen. Dazu gehört auch, Erwartungen, Wünsche und Ziele loszulassen, Widerstände aufzugeben und sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Hier hilft mir der Buddhismus: Dort heißt es (verkürzt), dass es unsere Anhaftung und Ablehnung ist, die Leid erzeugt. Heißt, wenn es mir gelingt, meine Vorstellungen von etwas loszulassen, bleibt mir Leiden erspart. Das bedeutet nicht, dass uns alles egal sein sollte. Es geht vielmehr darum, mit dem entspannt und flexibel umzugehen, was kommt. Und mir hilft Focusing, die Methode hinter Denken mit Kopf + Körper.

Es ist also etwas völlig anderes, ob du einfach darauf hoffst, dass die Dinge in der Zukunft so bleiben, wie sie dir bisher gut gefallen haben. Oder ob du an deiner Zukunftsfähigkeit „arbeitest“, sodass du zurechtkommst mit dem, was dich erwartet. Dass du – im Rahmen deiner Möglichkeiten – handlungsfähig bleibst.


Für mehr Zuversicht in schwierigen Zeiten: Denken mit Kopf und Körper

Pia Hübinger war diejenige, die auf LinkedIn vermutete, ich habe bestimmt etwas zum Thema Zuversicht beizutragen. Von ihr kommt auch die Einladung zur Blogparade „Zuversicht in schwierigen Zeiten – Das hilft mir, wenn sie ins Wanken gerät“. Pia kennt mein Thema Denken mit Kopf + Körper und weiß, dass ich andere dabei begleite, Kopf und Körper als Team zu nutzen.

Und Pia hatte recht: Wenn die apokalyptischen Reiter wieder mal angaloppiert kommen, nutze ich mein körperliches Erleben, um das Geplapper in meinem Kopf zu entlarven. Wenn ich meine Körperkommentare dazu nehme, erkenne ich, worum es gerade eigentlich wirklich geht. Und das hilft mir, mich zu entspannen und meine Zuversicht zurückzugewinnen. Ich muss also nicht mehr warten, bis meine Yogalehrerin mit der richtigen Meditation um die Ecke biegt.

Denken mit Kopf + Körper hilft mir aber auch, wenn eine Situation gerade wirklich schwierig ist oder meine Gedanken sich im Kreis drehen: Durch die Klarheit, die es bringen kann, erkenne ich meinen nächsten guten Schritt in dieser Situation. Seit ich diese Methode kenne, ist mein Vertrauen deutlich gestiegen, dass ich auch mit zukünftigen schwierigen Situationen gut umgehen kann.


Schwierige Zeiten nicht schwieriger machen als nötig

Machen wir uns nichts vor: Die Zeiten werden schwierig bleiben. Wenn man in der Geschichte zurückschaut, ist ‚herausfordernd‘ der Normalzustand. In den letzten 50 Jahre waren die Bedingungen in Deutschland nur ausgesprochen günstig. Und nein, ich bin keine Pessimistin. Ich denke nur: Wenn wir akzeptieren, dass wir kein Abo auf ein permanent leichtes und erfreuliches Leben haben, können wir die Herausforderungen der Zukunft leichter bewältigen.

Für jede Situation gibt es einen nächsten guten Schritt und Denken mit Kopf + Körper hilft mir, diesen zu finden. Seit ich das weiß, besuchen mich meine apokalyptischen Reiter immer seltener.

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Birgit Krüger

Birgit Krüger ist Coachin für Denken mit Kopf + Körper: eine Methode, die analytisches Denken mit Körperwissen verbindet, um weiterzukommen, wenn der Verstand feststeckt. Ausgebildet als Focusing Coachin, systemische Coachin und Supervisorin sowie Entspannungspädagogin begleitet sie Kopfmenschen mit Lust auf mehr Bauchgefühl dabei, Kopf und Körper als Team zu nutzen. Ihr systematischer Ansatz führt zu neuen Lösungen, besseren Antworten und stimmigeren Entscheidungen. Mehr über Birgit

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Hallo, ich bin Birgit
Krüger

Ich unterstütze dich dabei, auch in turbulenten Zeiten ruhig und fokussiert zu bleiben. Gerade, wenn du für andere Verantwortung trägst, ist das besonders wichtig: Nur wenn du die Situation klar siehst, erkennst du Handlungsspielräume und kannst auch dein Umfeld unterstützen. Solltest du feststecken, helfe ich dir, den nötigen Freiraum zu schaffen, damit du entschlossen handeln kannst.

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