Entscheidungen treffen: Das Entweder-oder-Missverständnis

Frau steht am Ende eines Holzstegs am See und blickt in den Sonnenuntergang – Sinnbild für eine anstehende Entscheidung.
Frau steht am Ende eines Holzstegs am See und blickt in den Sonnenuntergang – Sinnbild für eine anstehende Entscheidung.

Entscheidungen treffen: Das Entweder-oder-Missverständnis

Worum es hier geht

Bei „weitermachen oder aufhören?“ stecken wir oft fest, weil wir nur diese zwei Möglichkeiten sehen und sich beide für uns falsch anfühlen.

Dieser Artikel ist für Menschen, die sich fragen, wie man bei so einer Entscheidung weiterkommt, wenn Nachdenken nicht mehr weiterhilft.

Du nimmst mit, warum das ‚Entweder-oder‘ eine Denkfalle ist und wie eine stimmige Entscheidung entsteht, wenn Kopf und Körper zusammenkommen.

Aufhören oder weitermachen? Bleiben oder gehen? Festhalten oder loslassen? Diese Fragen sind der Stoff, aus dem schlaflose Nächte gemacht sind.

Wenn ich früher meinem Vater von unangenehmen Situationen, in denen ich gerade steckte, erzählt habe, sagte er oft: „Da musst du jetzt wohl durch“. Eigentlich war mein Vater ein sehr kluger Mann. Aber mit diesem Glaubenssatz hat er mir keinen Gefallen getan. Obwohl er oft das Gegenteil von dem ausgelöst hat, was man erwarten könnte: Ich habe mir gedacht: Nö, muss ich eben nicht. Habe alles stehen und liegengelassen und mich so der Situation entzogen.

Entscheidungen zu treffen bedeutet nicht unbedingt, schnell zu handeln

Als ich neulich einer Freundin von einem solchen Moment erzählte, meinte sie: „Du hast es gut. Du hast nie Schwierigkeiten, dich zu entscheiden.“ Diese Freundin kennt mich schon aus der Zeit vor meiner Agenturgründung. Und auf den ersten Blick scheint sie ja auch Recht zu haben: 17 Jahre lang habe ich als Unternehmerin und Agenturchefin oft im Minutentakt entschieden. Umso überraschender, dass diese Aussage bei genauerer Betrachtung nicht stimmt: Immer wieder habe auch ich in meinem Leben viel länger durchgehalten als sinnvoll war.


Wegläuferin und Durchhalterin: Zwei Arten, sich vor einer echten Entscheidung zu drücken

Die Durchhalterin kam bei mir zum Beispiel in Beziehungen zum Vorschein. Nun könnte man denken: ist ja auch Privatleben, das ist eh anders. Aber auch aus dem beruflichen Bereich gibt es Beispiele: Nachdem ich meine Agentur verkauft hatte, war ich zwei Jahre als Agentur-Beraterin tätig. Ich habe meine Erfahrungen an andere Agenturchefs weitergegeben, hatte gut zu tun und bin gut bezahlt worden. Aber eigentlich war es nicht das, was ich wollte.

Ich war also gleichzeitig eine Wegläuferin und eine Durchhalterin. Und beides hat wenig mit einer guten, stimmigen Entscheidung zu tun. Lange Zeit habe ich meine Entscheidungen einfach aus alten Mustern heraus getroffen. War selbstverständlich davon ausgegangen, dass es nur den einen oder den anderen Weg gibt. Also nur schwarz oder nur weiß.

Diese Annahme beobachte ich auch heute bei Klienten und Klientinnen: Dass sie entweder alles ändern müssten oder alles so bleiben müsse wie es ist. Nicht selten sind beide Perspektiven gleichermaßen bedrohlich. Eine stimmige Entscheidung lässt sich bei zwei gleichermaßen unangenehmen Alternativen nicht finden.


Kann eine Pro- und Contra-Liste helfen?

In vermeintlichen Pattsituationen wird gerne die gute alte Pro- und Contra-Liste bemüht. Logik kann dir aber immer nur logische Entscheidungen liefern. Stimmige Entscheidungen allerdings entstehen durch die Verbindungen aus dem, was dich als Ganzes ausmacht.

Ebenfalls gerne holen sich Menschen Rat von anderen. Das Problem dabei: Kein Mensch hat alles genauso erlebt wie du, hat dein Leben gelebt und deine Erfahrungen gemacht. Niemand kann also wirklich beurteilen, was für dich richtig ist. Die Blaupause für jeden Ratschlag, den dir ein anderer Mensch gibt, ist immer das eigene Leben dieser Person – und damit etwas zutiefst Subjektives.

Und selbst wenn dein Ratgeber oder deine Ratgeberin mehr Abstand zu deiner Fragestellung hat als du, fehlt ihm oder ihr der Abstand zum eigenen Leben. Was ich damit sagen will: Der Rat kann klug klingen – und trotzdem für dich total falsch sein.


Warum fällt stimmige Entscheidungen treffen mitunter so schwer?

  • Wir suchen nach der einen, richtigen Entscheidung. Schule und Erziehung lehren: Es gibt eine korrekte Lösung und viele falsche. Also glauben wir, diese Entscheidung finden zu müssen.
  • Es geht auch um Identität und nicht nur um die Sache: Jeder Weg, für den wir uns entscheiden, sagt etwas über uns aus. Deshalb wiegen Entscheidungen oft viel schwerer, als eine Sachfrage vermuten lassen würde.
  • Wir bereuen im Voraus: Nicht die Entscheidung lähmt, sondern die vorweggenommene Vorstellung, sie später zu bereuen.
  • Wir misstrauen dem eigenen Wahrnehmen. Früh wurde vielen beigebracht, dass ihre Wahrnehmung falsch oder unwichtig ist. Nur aus äußeren Impulsen kann aber kein Gefühl von innerer Stimmigkeit entstehen.
  • Glaubenssätze aus dem familiären Umfeld. „Da musst du jetzt wohl durch“ ist ein Beispiel, wie diese reflexhafte Reaktionen auslösen.

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Leichter eine Entscheidung treffen: Weg vom ‚Entweder x oder y‘

Und dann ist da noch die Sache mit dem „entweder“ „oder“. Die meisten Menschen, die eine Entscheidung treffen müssen, reduzieren die mögliche Lösung auf zwei Gegenpole: aufhören/weitermachen, bleiben/gehen, durchhalten/aufgeben usw. Viel zu selten ziehen sie die Möglichkeit in Betracht, dass es auch noch eine ganz andere Lösung geben könnte. Eine, die sich wirklich stimmig anfühlt und ggf. auch die Bedürfnisse anderer Beteiligter einbezieht.

Ich selbst tappe auch immer wieder in diese Falle: Vor einem Jahr habe ich eine Blogparade veranstaltet mit dem Titel „Die eine Entscheidung, die in meinem Leben wirklich etwas verändert hat“. In meinem eigenen Beitrag habe ich über wichtige Entscheidungen in meinem Leben geschrieben. Ich habe ausschließlich Beispiele gewählt, die von einer 180 Grad-Wende erzählten, also große Veränderungen zur Folge hatten. Dabei können auch kleine Korrekturen dem Leben eine völlig neue Richtung geben. Solche Schritte geraten nur schneller in Vergessenheit, weil sie nicht so spektakulär sind.


Mit Kopf + Körper entscheiden – eine ganz andere Methode

Das wurde mir klar, als ich das erste Mal mit Focusing in Kontakt kam. Diese Methode öffnet den Raum zusätzlich für kreative neue Lösungen, an die du vorher nicht gedacht hast. Wenn du mit Kopf + Körper denkst, wie ich es nenne, ergänzt du die Vorschläge deines analytischen Verstandes durch dein körperliches Erleben.

In diesem Prozess geht es nicht um Inhalte, sondern um die gespürte Bedeutung, die zu deiner Frage entsteht. Wenn du zu dieser Bedeutung Zugang bekommst, entwickelt sich daraus eine stimmige Entscheidung und ein nächster guter Schritt. Der oft nichts mit den von dir vorher hin- und hergewälzten Optionen zu tun hat.

Genau dabei unterstütze ich Menschen: die individuelle Bedeutung wahrzunehmen, die mit Themen verbunden ist, damit sich eine stimmige Antwort zeigen kann. Vielleicht ist deine Antwort am Ende: Weitermachen. Vielleicht aufhören oder vielleicht auch etwas Drittes, das du heute noch gar nicht siehst. Wichtig ist nicht, was du entscheidest. Wichtig ist nur, dass du wirklich dahinterstehst.

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Birgit Krüger

bietet Focusing-Coaching und Training.Ihr Angebot richtet sich an Vielentscheiderinnen, die: durch die Verbindung von Kopf + Körper besser Denken und entscheiden möchten die sich einen systematischen Zugang zu ihrer inneren Gewissheit wünschen die aus innerer Überzeugung leben und arbeiten wollenWeitere Infos findest du hier

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Hallo, ich bin Birgit
Krüger

Ich unterstütze dich dabei, auch in turbulenten Zeiten ruhig und fokussiert zu bleiben. Gerade, wenn du für andere Verantwortung trägst, ist das besonders wichtig: Nur wenn du die Situation klar siehst, erkennst du Handlungsspielräume und kannst auch dein Umfeld unterstützen. Solltest du feststecken, helfe ich dir, den nötigen Freiraum zu schaffen, damit du entschlossen handeln kannst.

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